Es war aus Schweizer Optik alles angerichtet für den Saisonstart der Skicrosser am 6. Dezember im französischen Val Thorens: Die Equipe von Chefcoach Ralph Pfäffli hatte sich in Saas-Fee bei guten Bedingungen den letzten Schliff für die Saison geholt und die Frühform in den vier Vorbereitungsrennen im Pitztal mit sieben Podestplätzen unter Beweis gestellt, als dann das Wetter nicht mitmachen wollte. Zuerst die Absagen der Weltcup-Rennen in Val Thorens und Arosa wegen Schneemangels, ehe auch das Aus für den Weltcup im österreichischen Montafon (13. bis 15. Dezember) folgte.

Mit elftägiger Verspätung beginnt der WM-Winter der Skicrosser nun mit dem Weltcup-Rennen in Arosa im Rahmen der "Cross Alps Tour". Und das Schweizer Team, das die wettkampffreien Tage für weitere Trainingseinheiten auf der Reiteralm nutzte, geht mit guten Chancen auf Podestplätze in das Heimrennen. "Wir wissen, dass wir im Sommer und im Herbst sehr gut gearbeitet haben", sagt Pfäffli.

Die erste Standortbestimmung bei den Rennen im österreichischen Pitztal im Rahmen der Österreichischen Meisterschaften und des Europacups hat Mut für das Kommende gemacht. Sanna Lüdi (3./2.) und Fanny Smith (2./3.) reichte es an beiden Wettkampftagen zu einem Podestplatz, bei den Männern stand im Pitztal mit Joos Berry und Jonas Lenherr sogar jeweils ein Schweizer zuoberst - und dies in einem top besetzten Feld. Sowieso war die Schweizer Equipe in der Vergangenheit im Weltcup stets unter den stärksten Nationen vertreten, Probleme bereiteten mehr die Grossanlässe.

Seit 16 Jahren beackert Pfäffli bei Swiss-Ski das Feld für die Skicrosser, war bei Mike Schmids Olympiasieg 2010 in Vancouver ebenso dabei wie beim Debakel von Sotschi 2014 oder der geglückten Revanche im Februar in Pyeongchang, wo es für die Schweiz dank Marc Bischofberger (Silber) und Fanny Smith (Bronze) zwei Skicross-Medaillen gab. Pfäffli erhofft sich, dass das gute Abschneiden an den Winterspielen in Südkorea in der Zeitrechnung der Schweizer Skicrosser einen Turnaround darstellen wird - insbesondere bei den Männern.

Denn nach Schmids Premieren-Sieg blieb das Männer-Team an Grossanlässen meist glücklos. Nach Bischofbergers Befreiungsschlag in Pyeonchang könnten die Schweizer mit dem Gewinn einer WM-Medaille Anfang Februar in Solitude im US-Bundesstaat Utah - es wäre die erste überhaupt in der Geschichte des Männer-Teams - das Narrativ von mentalen Problemen endgültig abzuändern. Das geeignete Personal steht dafür bereit, neben den Pitztal-Siegern Berry und Lenherr verfügt die Schweiz mit dem Olympia-Zweiten Bischofberger, dem elffachen Weltcup-Sieger Alex Fiva oder auch Armin Niederer über riesiges Skicross-Know-how.

Anders präsentiert sich die Ausgangslage bei den Frauen. Die 26-jährige Smith zeigte nicht erst an den Olympischen Spielen, dass an Grossanlässen auf sie Verlass ist. Ihr Palmarès an Weltmeisterschaften liest sich sogar sehr gut, an den letzten drei Austragungen sammelte die hoch ambitionierte Waadtländerin einen ganzen Medaillensatz.