Auf den ersten Blick ist nichts passiert. Dario Cologna stieg als 15. des Gesamtklassements in das Verfolgungsrennen in Oberstdorf. Diesen Platz belegt der 32-jährige Bündner auch danach. Sein Rückstand auf den führenden Norweger Johannes Klaebo betrug vor diesen 15 km in der freien Technik 2:28 Minuten. Nun liegt er 2:17 zurück. Also eine Nullnummer?

Bei weitem nicht. Die Gemütslage des Schweizer Ausnahmeathleten verwandelte sich im Vergleich zum Vortag wie das Wetter im Allgäu. Nach dem Klassik-Rennen bei heftigem Schneefall und klebriger Loipe sorgten gestern blauer Himmel und kältere Temperaturen für ein schnelles Rennen. Eines, das von Dario Cologna mitgeprägt wurde.

Zusammen mit dem Norweger Sundby und dem Russen Spitsow sammelte der Cologna-Express Läufer um Läufer ein. Letztlich kam eine Gruppe mit zehn Athleten praktisch zeitgleich ins Ziel. Einziger Schönheitsfehler: Der Schweizer war der Letzte dieses Pakets. «Ich habe am Anfang des Rennens sicherlich mehr investiert als andere. Schliesslich war es die wohl beste Chance, nach vorne noch etwas zu bewirken. Dafür büsste ich im letzten Anstieg ein wenig», sagte der vierfache Sieger der Tour de Ski. Es sei «noch nicht das optimale Rennen» von ihm gewesen.

Eine Minute fehlt zu Platz 3

Trotzdem ist das Vorhaben noch besser als erwartet aufgegangen. Bis zum Italiener De Fabiani auf Position sechs des Gesamtklassements fehlen Cologna neu nur etwas mehr als fünf Sekunden. Auch die beiden Norweger Skar und Krueger liegen lediglich 20 Sekunden entfernt, und auf den Russen Bolschunow als Dritter müsste der Schweizer 59 Sekunden gutmachen. «Das Podest ist wieder ein Thema. Der Rückstand ist durchaus noch wettzumachen. Das Problem bleibt, dass dies für elf andere Läufer auch gilt», sagt Cologna.

Die Tour de Ski verspricht zumindest bei den Männern ein spannendes Finale im Val di Fiemme. Nach einem Ruhetag gibt es über 15 km klassisch auf einem anspruchsvollen Kurs vor allem viele Bonussekunden zu gewinnen. «Es ist eine Strecke, die mir liegt», sagt Cologna.

Und am Sonntag wartet als Abschluss das Bergrennen auf die Alpe Cermis. Vielleicht sogar mit einem Massenspurt um Position 3? Die ersten beiden Plätze scheinen vergeben. Der Norweger Klaebo und der Russe Ustjugow laufen in einer eigenen Liga. Auch sie trennen vor dem Finale nur fünf Sekunden. Auf wen tippt Dario Cologna? «Ich sehe Ustjugow im Vorteil. Er hat die Tour schon gewonnen und gezeigt, dass er gut auf die Alpe Cermis raufkommt.» Jungstar Klaebo wird sich hingegen erstmals die Skipiste im Trentino hochquälen.

Hoffnungsträger Beda Klee

Auf diese Tortur verzichten wird Beda Klee, der zweitbeste Schweizer im Gesamtklassement. «Ich bin ja noch jung. Die Tour läuft mir nicht davon», sagt der 22-jährige Toggenburger. Er sammelte auch im Verfolgungsrennen wieder Weltcuppunkte und liegt vor seinem geplanten Ausstieg aus dem Etappenrennen auf Position 20. Nur sieben Sekunden länger als der führende Klaebo benötigte Klee für die 15 km. Mehr als erstaunlich für einen Athleten aus dem B-Kader, den vor diesem Winter nur Insider kannten.

Einer dieser Insider ist Klees Trainer Reto Burgermeister. Der Zürcher Oberländer betreute von 2011 bis 2015 die russischen Ausnahmekönner Legkow, Below und Ustjugow. Zu seinem neuen Schützling sagt der 43-Jährige: «Er ist sicherlich die grösste Hoffnung im Schweizer Langlauf. Beda hat an der Tour sein hohes Grundpotenzial unter Beweis gestellt.» An Klee schätzt er die hohe Rennintelligenz und die Fähigkeiten als Allrounder. «Er kann ein Rennen sehr gut lesen. Das ist gerade bei Gegnerkontakt wichtig.»

Nach dem bevorstehenden Einsatz an den U23-Weltmeisterschaften in Lahti, wo Klee zu den Medaillenanwärtern gehört, sieht Burgermeister auch den Einsatz an der WM in Seefeld als realistisch an. Wieso nicht als Startläufer der Schweizer Staffel? «Beda kann das», sagt sein Trainer.