Unmittelbar vor der letzten WM in Russland verabschiedete sich Bürkis Klubkollege Marwin Hitz aus dem SFV-Kreis, nun tritt auch die Nummer 2 der Schweiz freiwillig kürzer. Die Message des 28-Jährigen, im aktuellen Vorrunden-Ranking des Fachmagazins "Kicker" topklassiert, kommt rund sechs Monate vor dem Vierer-Turnier der besten Nations-League-Teams in Portugal; über sein Vorhaben orientierte er den SFV-Trainerstab bereits vor mehreren Wochen.

Hinter Yann Sommer rücken nun jüngere Akteure nach. Unter Umständen kommt der Leipziger Ersatztorhüter Yvon Mvogo zum Handkuss - wahrscheinlich an der Seite von U21-Gregor Kobel, der in Hoffenheim auf einen Leih-Deal zum Bundesliga-15. Augsburg drängte, weil ihm die Verantwortlichen zu wenig Spielpraxis zugestanden hatten.

Auf der Homepage der Borussia legt Bürki seinen Entscheid im Detail dar: "Es ist keine Entscheidung gegen das Nationalteam, sondern eine für einen verstärkten Fokus auf den BVB und meine Gesundheit." Es sei ihm auch ein Anliegen, jüngeren Torhüterkollegen die Chance zu geben, auf SFV-Stufe Erfahrungen zu sammeln. Ein Türchen bleibt offen: Sollte Vladimir Petkovic im Falle eines Engpasses auf Bürki zurückgreifen wollen, würde der Dortmunder eine allfällige Nominierung annehmen.

Als "schade für alle Seiten", stufte Petkovic den Entscheid seiner Nummer 2 ein. "Ich schätze Romans Qualitäten sehr und hatte mit ihm geplant." Den Nationaltrainer hatte Bürki bereits Ende des letzten Jahres und lange vor der Reise ins BVB-Trainingscamp in Marbella informiert. Während der bereits über vierjährigen Amtszeit des Tessiner Selektionärs änderte sich am SFV-Status Bürkis nichts - seit dem Sommer 2014 gelangte der Dortmunder Goalie neben sieben Tests in nur zwei Qualifikationsspielen gegen Andorra (2:1) und San Marino (7:0) zum Einsatz.

Seine persönliche Entwicklung stand nicht im Einklang mit den Perspektiven in der Schweizer Equipe. Mönchengladbachs Goalie Yann Sommer ist seit dem Abgang von Diego Benaglio gesetzt, geschätzt und momentan absolut unumstritten. Mit dieser Konstellation hat der ehrgeizige Perfektionist Bürki vorerst zu leben.

Schon im Januar 2017 gab er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA klar zum Ausdruck, "dass die Zeit für mich vorbei ist, einfach zufrieden zu sein, wenn ich dabei sein darf. Ich habe mit meiner Klubwahl einen weiteren Schritt nach vorne gemacht".

Bürkis Ansage folgte eine nahezu perfekte Qualifikationsphase und ein herausragendes WM-Turnier von Sommer. Und Petkovic liess keinen Zweifel daran offen, an der Reihenfolge im Keeper-Ranking auch in Zukunft festhalten zu wollen; zuletzt experimentierte der Nationalcoach in personeller Hinsicht in erster Linie auf den Feldpositionen.