Werden wir den 17. November 2018 im Rückblick als den entscheidenden Tag derQualifikation bezeichnen? Am vergangenen Samstag deklassiert Gottéron die SCL Tigers 10:3, und Davos besiegt in Biel den Tabellenführer 7:2. Diese zwei Qualifikations-Partien stehen eigentlich inkeinem direkten Zusammenhang. Eigentlich.

Noch trennen die beiden Teams Welten – und 16 Punkte. Die SCL Tigers stehen entgegen aller Prognosen auf dem 6. Rang. Die Davoser hingegen völlig unerwartet auf dem vorletzten Platz. Wer zu diesem Zeitpunkt der Saison so tief unten klassiert ist, schafft die Playoffs nicht mehr. Aber dieser 17. November zeigt spektakulär: Der HCD ist kein klassisches Krisenteam und Langnau keine gewöhnliche Überraschungsmannschaft.

Langnau verliert und könnte von Davos noch verdrängt werden.

Langnau verliert und könnte von Davos noch verdrängt werden.

Das 7:2 in Biel ist weder glücklich noch kurios. Es ist ein logischer Sieg. Obwohl Silberheld Enzo Corvi fehlt (Gehirnerschütterung), obwohl nur drei Ausländer zur Verfügung stehen (der Vertrag mit dem Amerikaner Shane Prince ist aufgelöst worden), obwohl Marc Wieser bereitsnach 19 Sekunden unter die Dusche muss (Restausschluss) und Biel nach dem ersten Drittel 2:0 führt.

Stürmer Dino Wieser, einer der letztenin der Wolle gefärbten «Zeugen Del Curtos», erzählt, dass es vergangene Woche eine Aussprache gegeben habe. Wer was wie laut zu wem gesagt hat, verrät er nicht. «Es bleibt in der Kabine.» Die Wirkung ist offensichtlich: «nur» noch 0:1 gegen Co-Leader Lausanne und nun 7:2 in Biel. Dino Wieser sagt, eines sei inden vergangenen Wochen zum anderengekommen. Wenn es laufe, dann laufe es.Wenn nicht, dann treffe man auf einmal auch das leere Tor nicht mehr. Eine so banale wie richtige Analyse. Viel passiert im Kopf und der Seele der Spieler. Die Differenz zwischen Triumph und Pleite ist minimal.

Zu dieser These passt die 3:10-Pleite derLangnauer. Zuvor hatten die Emmentalerunter Trainer Heinz Ehlers in 108 Qualifikations-Partiennie mehr als sechs Treffer kassiert. Die Niederlage gegen Gottéron zeigt, auf welch dünnem Eis die Überraschungsmannschaft der Saison nach wie vor steht.

Die grosse Frage der Qualifikation 2018/19 wird immer mehr: Verpasst der HCD zum ersten Mal unter Arno Del Curto die Playoffs? Der Rückstand auf den letzten Playoffplatz (8.) beträgt zwar «nur» zwölf Punkte. Aber dort steht Lugano. Zwölf Punkte Rückstand auf einen der Titanen in den restlichen 31 Qualifikationspartien aufholen? Eigentlich aussichtslos. Eigentlich.

Ein Team ist einholbar

Auf den zweiten Blick zeigt sich nämlich: Die Ausgangslage ist keineswegs hoffnungslos. Auf den acht Playoff-Rängen stehen sieben Teams, die nach menschlichem Ermessen die Playoffs nicht verpassen werden und die Davos nicht mehr überholen kann: der SCB, Lausanne, Biel, Zug, Gottéron, die ZSC Lions und Lugano. Ist also für Arno Del Curto die Qualifikation gelaufen? Eben nicht. Die SCL Tigers liegen in Reichweite. Das mag bei einem Rückstand von 16 Punkten und 31 ausstehenden Partien reichlich theoretisch klingen. Aber der HC Davos hat in Biel gezeigt, dass in jedem Spiel Punktgewinne möglich sind. Und die Langnauer offenbarten in Fribourg, dass sie auch in ihrer besten Saison dieses Jahrhunderts noch kein gefestigtes Spitzenteam sind und in jeder Partie mitPunktverlusten gerechnet werden muss.Und da ist eine böse Erinnerung: Im Frühjahr 2009 mussten die Langnauer den Zugern den letzten Playoffplatz überlassen. Obwohl sie 18 Runden vor Schluss 13 Punkte Vorsprung auf den EVZ hatten.

Der Zufall will es, dass die Tigers am nächsten Samstag zu Hause gegen die Lakers antreten dürfen. Sie haben die Saison mit einem Heimspiel gegen den Aufsteiger begonnen. Der Sieg (5:2) war der Anfang eines wundersamen Höhenfluges. Eine Niederlage hätte womöglich gleich in die Krise geführt. Nun sind die Langnauer wieder am gleichen Punkt angelangt: Ein Sieg gegen die Lakers bedeutetStabilisierung auf hohem Niveau. Eine Niederlage könnte hingegen der Anfang vom Ende aller Playoff-Träume und die «Rettung» für die Davoser sein. Langnau, die letzte HCD-Hoffnung.