Präsident, Sportchef, Geschäftsführer, Trainer oder Spieler. Ganz egal mit wem vom HSC Suhr Aarau man sich im Vorfeld dieser Saison unterhalten hat, man bekam immer dasselbe zu hören: «Wir wollen unbedingt den nächsten Schritt machen!»

In diesem Kontext hat der Finalrundeneinzug allein keine grössere Bedeutung. Schliesslich ist es das dritte Mal in der dritten Saison seit dem Wiederaufstieg, dass der HSC in der Finalrunde spielt. War das als Aufsteiger in der Saison 2016/17 noch eine Sensation, so ist es
in der laufenden Spielzeit keine Überraschung mehr.

Der HSC in der Finalrunde ist keine Selbstverständlichkeit

Eine Selbstverständlichkeit ist es trotzdem nicht. Weil der HSC Suhr Aarau in der NLA mit 900'000 Franken nur über das siebthöchste Budget verfügt, muss er für die Finalrunden-Qualifikation in der Hauptrunde immer einen finanzkräftigeren Klub hinter sich lassen. Dieses Mal war das der HC Kriens Luzern mit seinen 1,35 Millionen Franken Budget.

Trotz der finanziellen Nachteile gegenüber einem Grossteil der Konkurrenz hat sich der HSC Suhr Aarau auf diese Saison hin noch einmal clever verstärkt: Mit Torhüter Dragan Marjanac und Flügel David Poloz wurde viel Qualität und Erfahrung verpflichtet, was nach dem Rücktritt von Captain Patrick Romann auch nötig war.

Die Jungen haben überzeugt

Um konkurrenzfähig zu sein, ist der HSC auch immer auf den eigenen Nachwuchs angewiesen. Umso mehr, wenn der Klub dermassen vom Verletzungspech verfolgt wird, wie bisher in dieser Saison.

Angeführt von Spielmacher Manuel Zehnder und Abräumer Cedric Christ – sie sind erst 19 beziehungsweise 18 Jahre alt – spielten die Jungen eine phasenweise überragende Hauptrunde. Sie übernahmen Verantwortung und überzeugten, wenn es sie brauchte.

Nicht in belanglosen Spielen, sondern dann, als es in den vergangenen Tagen und Wochen ernst galt und die nominellen Erstbesetzungen auf ihren Positionen verletzt ausfielen.

Massive Steigerung gegenüber dem Vorjahr

Trotz der schwierigen Umstände beschloss der HSC die Hauptrunde mit 16 Punkten und einem Torverhältnis von plus 43 Toren. Das sind vier Punkte mehr und ein um 38 Tore besseres Torverhältnis als noch in der Vorsaison – trotz derselben Klassierung als Sechster.

Die Ausgangslage für die Finalrunde ist dadurch wesentlich aussichtsreicher als noch vor Jahresfrist, beträgt doch der Rückstand auf das drittplatzierte Wacker Thun gerade einmal zwei Punkte. Alleine schon die Tabelle zeigt die Fortschritte des HSC gegenüber der Saison 2017/18.

Spieler, Staff-Mitglieder und Vereinsführung des HSC Suhr Aarau feierten am Sonntagabend im Aarauer Restaurant Schützen nach getaner Arbeit die erfolgreiche Qualifikation für die Finalrunde. Mehr aber nicht. Überschwänglich, wie jene Feiern in den beiden Vorjahren sei es diesmal nicht gewesen, vielmehr habe man den Moment genossen, heisst es im Umfeld des HSC.

Ehrenvolle Niederlage im Viertelfinal wäre zu wenig

Sich auf den Lorbeeren des Erreichten auszuruhen liegt auch nicht drin. Denn die vor Saisonbeginn von allen Seiten verkündete Mission «den nächsten Schritt machen» darf damit noch nicht als erfüllt bezeichnet werden.

Die Finalrunden-Qualifikation an sich ist auf dem Weg dazu nur so etwas wie ein kleiner, schöner Zwischenerfolg. Erfüllt ist die Mission aber erst dann, wenn der HSC ab dem kommenden Februar auch in der Finalrunde und in den darauffolgenden Playoffs – der entscheidenden Phase der Saison – zu überzeugen weiss.

Die ehrenvolle Niederlage als Aussenseiter gegen die Kadetten Schaffhausen (0:3 Siege) im Playoff-Viertelfinal der vergangenen Saison ist hierbei der Massstab. Im kommenden Frühling darf mehr vom HSC Suhr Aarau erwartet werden.

Entschärfung im HSC-Lazarett in Sicht

Einerseits hat die Mannschaft spätestens beim souveränen 33:26-Heimsieg vom Sonntag gegen St. Otmar St. Gallen bewiesen, dass sie auch unter erschwerten Bedingungen zu grossen Auftritten fähig ist.

Andererseits zeichnet sich in Sachen Lazarett eine Entschärfung ab: Kreisläufer Martin Slaninka (Meniskus) und Spielmacher Tim Aufdenblatten (Augenverletzung) dürften auf die Finalrunde hin auf die Platte zurückkehren.

Achterbahn der Gefühle

Wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist, haben die Aargauer in den vergangenen Wochen am eigenen Leib erlebt: Dank einem starken Herbst erarbeitete sich der HSC eine fast nicht mehr zu verspielende Ausgangslage und strotzte vor Sicherheit. Durch die überraschende Niederlage gegen den RTV Basel (24:27) kam er doch noch ins Zittern.

Der HSC Suhr Aarau hat den Fuss für den viel beschworenen nächsten Schritt durch die Finalrundenqualifikation angehoben. Nun muss er ihn zur Vollendung aber wieder auf den Boden bringen – ohne dabei zu stolpern.