Der gebürtige Lausanner ist ein politisches Schwergewicht in der Westschweiz, ein Experte in den Bereichen Gesundheit und Krankenversicherung. 2011 verpasste der grosse Verfechter der Einheitskasse die Wahl in den Bundesrat. Die Bundesversammlung entschied sich für den Freiburger Alain Berset als Nachfolger von Micheline Calmy-Rey.

Im Waadtländer Staatsrat verlief die Karriere eines Sohns eines Garagenbesitzers und einer Hausfrau beinahe makellos. Der Stratege führte fünf Jahre lang das Regierungspräsidium und war 2011 einer der Hauptarchitekten des Linksrutsches im Staatsrat.

Fortschritte im Sozialwesen

Zusammen mit dem FDP-Amtskollegen Pascal Broulis verkörperte er den sogenannten "dynamischen Kompromiss", der es ihm ermöglichte, mehrere Fortschritte im Sozialwesen zu erzielen. Er stärkte das soziale Sicherheitsnetz für ältere Arbeitnehmende und für einkommensschwache Familien.

Zudem konnte der Waadtländer Gesundheits- und Sozialdirektor kurz vor seinem Ausscheiden aus der Kantonsregierung einen persönlichen Erfolg vorweisen: Ab 2019 bezahlt ein Haushalt in der Waadt nicht mehr als zehn Prozent des Einkommens für die Krankenkasse.

Pragmatiker mit Machtinstinkt

Maillard ist ein Pragmatiker, der an seinen Taten und Leistungen gemessen werden will. Obwohl dem linken SP-Flügel zugerechnet, ist er auch bei den Bürgerlichen hoch angesehen.

Dennoch hat der charismatische Politiker nicht nur Freunde: Vor allem links aussen wurde ihm seine Unterstützung für die Waadtländer Unternehmenssteuerreform nicht verziehen. Aber auch in seiner eigenen Partei hat Maillards Einfluss und Machtinstinkt schon für Kritik gesorgt.

Im Alter von fünfzig Jahren beginnt nun ein neues Kapitel für den SP-Mann. Genauer gesagt ist es eine Rückkehr zu seinen politischen Wurzeln. Von 2000 bis 2004 war Maillard Regionalsekretär für die Kantone Freiburg und Waadt der Gewerkschaft SMUV, die später in der Unia aufging.

Arbeitskämpfe organisiert

"Ich erlebte etwa zwanzig Massenentlassungen in vier Jahren, organisierte Arbeitskämpfe mit und richtete Streikposten ein. Ich weiss, was Gewerkschaftsarbeit bedeutet", sagt er. Der Akademiker - er studierte Philosophie, Geschichte und Französisch - ist hartnäckige Verhandlungen gewohnt und schaffte es auch, Beziehungen zur Wirtschaft zu knüpfen.

Der am 16. März 1968 in Lausanne geborene Fussballfan durchlief alle politische Ebenen. Anfang der 90er-Jahre wurde "PYM", wie ihn Freunde nennen, Mitglied der städtischen Legislative (Conseil communal) und er machte sich einen Namen als Sekretär des Studentenverbandes der Universität Lausanne.

Im Alter von 27 Jahren wurde er persönlicher Berater des Waadtländer Bildungsministers Jean Jacques Schwaab. Entnervt warf er bereits nach vier Monaten das Handtuch: Er wollte das damalige Sparprogramm nicht unterstützen.

Zwei Jahre später machte der Lausanner auf sich aufmerksam, indem er bei einer Nachwahl zum Staatsrat als SP-Kandidat fungierte. Als guter Redner zwang er die freisinnige Favoritin in einen zweiten Wahlgang.

Verfechter des Service public

Maillard war Präsident der SP Lausanne und der SP Waadt. Er vertrat die Partei im Grossrat (1998 bis 2000) und später im Nationalrat (1999 bis 2004). In Bern profilierte er sich als Verfechter des Service public und gewann das Referendum gegen die Liberalisierung des Strommarktes. 2003 war er der Waadtländer Nationalrat mit dem besten Wahlergebnis.

2004 schaffte Maillard die Wahl in den Waadtländer Staatsrat und er verliess Bern. 2007 wurde er als erster Sozialdemokrat im Kanton Waadt im ersten Wahlgang bestätigt. Von 2004 bis 2008 war er ausserdem Vizepräsident der SP Schweiz.