Aus Ueli Maurer wird nie ein Diplomat: «Wenn Sie einen Piloten mit dem Tiger in den Luftkampf schicken, lassen Sie ihn davor besser noch sein Testament schreiben.» So kommentierte der Verteidigungsminister gestern in Bern seinen Plan, die 54 Tiger F-5 der Luftwaffe endgültig ausser Betrieb zu nehmen. Davon betroffen ist auch die Kunstflugstaffel Patrouille Suisse.

Ganz unerwartet kommt die Ankündigung nicht. Im Vorfeld der verlorenen Abstimmung um den Kauf des Kampfjets Gripen bezeichnete Maurer die Ausmusterung stets als unausweichlich. Nach der Niederlage vom 18. Mai sistierte er den Entscheid. Nun bleibt er bei seiner ursprünglichen Analyse. Ein Upgrade der teils bald 40-jährigen Ein- und Doppelsitzer würde laut Verteidigungsdepartement (VBS) eine Milliarde Franken kosten und von 2015 bis ungefähr 2020 dauern. «Der Tiger könnte dann noch zehn Jahre weiterfliegen, wäre aber über 50 Jahre alt. So viel Geld darf man nicht in ein hoffnungslos veraltetes Gerät investieren», so Maurer.

Von den anfänglich 1800 Tiger F-5 sind laut dem VBS-Vorsteher weltweit noch 600 in Betrieb. Davon stünden 450 kurz vor dem Lebensende. Die brasilianische Luftwaffe habe zwar Geld in ein Upgrade investiert, traue den veralteten Jets aber nicht, und werde deshalb im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zusätzlich auf gemietete Gripen aus Schweden zurückgreifen. «Wir können es nicht verantworten, unsere Piloten mit einem alten Gerät dem Gegner auszusetzen. Wir sind kein Hobby-Verein.»

Breiter Widerstand aus der SVP

In seiner eigenen Partei kommt Maurer mit der Idee einer kompletten Ausserbetriebnahme der Tiger-Flotte schlecht an. Die SVP forderte im Juni in einem Positionspapier, die «nötige Anzahl Tiger F-5» sei bis zur Ablösung des F/A-18 sicherzustellen. Dabei soll es bleiben, sagt Thomas Hurter, Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates und ehemaliger Militärpilot: «Bis die Luftwaffe ein neues Kampfflugzeug hat, müssen wir die Zeit irgendwie überbrücken. Durch den Weiterbetrieb des Tiger gewinnen wir Zeit für die Erneuerung der Luftwaffe und verkürzen wir die Lebensdauer des F/A-18 nicht zusätzlich.»

Trotz seinem hohen Alter sei der Tiger bei guter Wetterlage für die Zieldarstellung, als Sparring-Partner für den F/A-18 und für den Luftpolizeidienst geeignet. «Ein Upgrade ist gar nicht unbedingt notwendig», so Hurter. Auch der Zürcher Sicherheitspolitiker und Nationalrat Hans Fehr findet, die Armee müsse mindestens zwei Tiger-Staffeln – 22 bis 24 Stück – behalten. «Als Zwischenlösung ohne Upgrade», so Fehr.

Roland Borer, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Solothurn, ist ebenfalls für die Beibehaltung von zwei Staffeln. «Ein günstiges Upgrade des Tiger ist notwendig, um den F/A-18 als Hauptleistungsträger der Luftwaffe zu schonen.» Er vermutet hinter den Ausmusterungsplänen des VBS gar «eine Trotzreaktion» auf die verlorene Gripen-Abstimmung.

Neuer Kampfjet bis 2025?

Der nächste Anlauf für die Evaluation eines neuen Kampfflugzeuges soll im Jahr 2020 erfolgen, sagte Bundesrat Maurer bei seinem Referat in der Berner Mannschaftskaserne. Der neue Jet soll den F/A-18 ab 2025 ablösen. VBS-Sprecher Renato Kalbermatten relativierte jedoch später, es handle sich erst um «eine Vision». Maurer kann sich auch ein Upgrade des F/A-18 vorstellen. «Wir sind uns aber noch nicht sicher, ob sich das lohnt», sagte er.

Fürs Erste sollen ein neues Boden-Luft-Abwehrsystem mit einer Reichweite von 30 Kilometer und israelische Aufklärungsdrohnen die Lücke füllen, die der Tiger nach seiner voraussichtlichen Ausmusterung ab 2016 in der Luft hinterlässt. Ingesamt plant Maurer für die nächsten zehn Jahre Rüstungsbeschaffungen im Umfang von «schätzungsweise neun Milliarden Franken», neue Kampfjets nicht eingeschlossen. Konkretere Informationen sind in den nächsten zwei Wochen zu erwarten, wenn der Bundesrat die Botschaft zur Weiterentwicklung der Armee (WEA) verabschiedet.