"Können Sie mir sagen, was der heutige Bundesanwalt macht? Nein? Eben. Er existiert nicht", sagte die 71-jährige Tessinerin in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Man wisse nicht, was er mache. "Ich finde, ein Bundesanwalt muss transparent sein und mit Kritik umgehen können." Ein Bundesanwalt oder Ankläger, der keine Feinde habe, sei kein guter Beamter. "Bei mir wusste man haargenau, was ich tat."

Der seit 2012 als Bundesanwalt agierende Lauber ist allerdings dafür bekannt, dass er offensiver kommuniziert als seine unmittelbaren Vorgänger. Lauber löste Erwin Beyeler ab, den das Parlament nach Kritik an der Amtsführung und Zweifeln an der Fachkompetenz nicht wiedergewählt hatte.

Uno als "Schwatzbude"

Daneben erneuerte Del Ponte ihre Kritik an den Vereinten Nationen. Bei ihrer Arbeit als Uno-Sonderermittlerin für Syrien habe sie gesehen, dass bei der Uno vor allem sehr viel geredet werde. "Eine Schwatzbude. Es gibt auch sehr viele Beamte, zu viele. Nur wenige arbeiten wirklich."

Deshalb müsse die Uno reorganisiert werden. Mit Blick auf das Ziel einer internationalen Justiz malte Del Ponte ein düsteres Bild. "Wir sind an einem Tiefpunkt angelangt. Menschenrechte gelten nichts mehr." Dennoch sollte man weiter daran festhalten. "Wir müssen daran glauben, dass ein unabhängiges internationales Gericht Gerechtigkeit schaffen kann."

Rückzug aus Öffentlichkeit

Del Ponte will sich nach einem Auftritt am 5. Dezember an einem Forum in Aarau zu ihrem Buch "Im Namen der Opfer" aus der Öffentlichkeit zurückziehen. "Ende Jahr werde ich verschwinden. Das war’s, auch wenn es niemand glaubt."

1999 wurde die frühere Staatsanwältin des Kantons Tessin und Bundesanwältin zur Uno-Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und Rwanda berufen. Zuletzt untersuchte sie bis 2017 als Uno-Sonderermittlerin Kriegsverbrechen in Syrien. Danach trat sie aus Protest zurück und warf dem Uno-Sicherheitsrat in dem Konflikt Untätigkeit vor.