Auf nationaler Ebene gibt es ein Ständemehr bei Verfassungsvorlagen. Eine solche ist also nur angenommen, wenn Volk und Stände zustimmen. Nach diesem Vorbild wollen jetzt die SVP-Grossräte Christoph Riner und Maya Meier im Aargau ein Bezirks- mehr einführen. Demnach wäre eine kantonale Vorlage künftig nur noch gutgeheissen, wenn Volk und mindestens sechs der elf Bezirke zustimmen. Damit soll im Kanton der Regionen das Gewicht der ländlichen, kleineren Bezirke gestärkt werden.

Nun besteht die Schweiz und damit der Aargau aus lauter Minderheiten. Gegenseitige Rücksichtnahme ist und bleibt Voraussetzung auch für das Gelingen im Aargau, dem Kanton der Regionen. Doch was national Sinn macht, muss nicht auch kantonal richtig sein. Das Ständemehr wurde einst eingeführt, um die Sonderbundskantone mit dem Bundesstaat zu versöhnen. Im Aargau besteht keine auch nur entfernt vergleichbare Situation. Zudem zeigt eine Auswertung des Zentrums für Demokratie (ZDA) in Aarau, dass so ein Bezirksmehr in den letzten 20 Jahren in 128 Abstimmungen nur zweimal zum Tragen gekommen wäre.

Das ist beruhigend. Es müsste uns nämlich alarmieren, wenn ländliche Regionen öfter überstimmt würden. Doch die ZDA-Auswertung zeigt, dass nach dem ländlichen Bezirk Kulm die bevölkerungsstärksten Bezirke Baden und Aarau am meisten überstimmt worden sind. Im Aargau besteht also kein solcher Handlungsbedarf, zumal sich die Bezirke und Regionen im Grossen Rat bei Bedarf richtigerweise erfolgreich Gehör zu verschaffen wissen.

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