Marco Streller der Chef, Shkelzen Gashi einer vom Rest. So sind die Rollen beim neuen Traumduo des FC Basel verteilt – normalerweise. Im Nachgang des Auswärtsspiels in Sion war es für einmal Streller, der Gashi beim Gang vor die Journalisten den Vortritt lassen musste. Geduldig wartete Streller – spitzte aber heimlich die Ohren, um mitzubekommen, was Gashi neben den üblichen Phrasen nach den gewonnenen drei Punkten sonst noch so erzählte. «Ich schaue zu ihm hoch. Er ist fussballerisch und als Mensch grosses Kino», sagte Gashi und meinte damit den Captain, der hinter ihm stand. Zum Dank gab es eine herzliche Umarmung von Streller, der anschliessend das Lob nur allzu gerne zurückgab: «Shkelzen ist menschlich einwandfrei, ein toller Typ.»

So ähnlich hat Streller auch immer über Valentin Stocker gesprochen. Stocker und Streller – das passte bis Ende letzter Saison auf und neben dem Platz. Genauso wie davor Streller und Alex Frei oder noch früher Christian Giménez und Julio Hernan Rossi. Freunde im Privatleben, geballte Angriffspower im FCB-Dress. Zu sagen, auch Gashi und Streller verbinde eine Freundschaft, wäre verfrüht. Aber auf dem Platz erinnert nichts mehr daran, dass die beiden noch im Frühling erbitterte Gegner im Meisterrennen zwischen GC und Basel waren.

Mittlerweile können sie es sogar nur noch miteinander: Sieben Tore (vier Gashi, drei Streller) haben sie in den vier Spielen erzielt, in denen sie gemeinsam aufgelaufen sind. In Aarau und gegen St. Gallen fehlte Streller krankheitshalber, prompt blieb Gashi ohne Erfolgserlebnis. «Ich hätte nicht gedacht, dass nach dem Abgang von Valentin so schnell wieder einer da ist, mit dem es so gut passt», sagte Streller nach dem Sieg im Wallis, in dem das Duo die beiden ersten Treffer besorgte und Gashi das Eigentor zum 3:2 erzwang.

In Zukunft wird sich FCB-Trainer Paulo Sousa genau überlegen, ob er sein Sturmduo nicht besser vor den Wechselspielen verschont: Gashi und Streller erzielten zusammen die Hälfte der 14 Basler Saisontore – und alle waren entscheidender Natur.

Kann das gut gehen?

Streller, der Entscheidungsspieler – diese Qualität ist man sich vom Routinier seit Jahren gewohnt. Nicht aber von Gashi, dem man seit seinem Weggang vom FC Zürich 2008 nachsagte, einen Teil seines riesigen Talents zu verschleudern. Dass er in der vergangenen Saison 19 Tore für GC erzielte und Torschützenkönig wurde, verbanden Beobachter auch damit, dass er sich in Zürich keinem Konkurrenzkampf stellen musste und nicht den Druck hatte, in jedem Spiel siegen zu müssen. Also reagierten die gleichen Personen skeptisch, als Ende Juni der Wechsel nach Basel bekannt wurde. Dorthin, wo die Strellers, Delgados und Sios sicher nicht darauf warteten, freiwillig einem Neuling Platz zu machen. Und sowieso: Gashi in der Champions League? Kann das gut gehen?

«Ja», dachte sich Paulo Sousa, als er sich auf Video Gashis Spiele aus der letzten Saison anschaute und begeistert war von den Abschlussqualitäten des schweizerisch-albanischen Doppelbürgers (5 Länderspiele für Albanien). Wenige Tage später trainierte Gashi das erste Mal in Rot-Blau – trotz grosser Bemühungen der Zürcher, ihren Topskorer zu halten. Gashi: «Es waren zwei schöne Jahre bei GC. Aber ich habe gespürt, dass es Zeit für eine Veränderung ist.» Zeit, mit 26 Jahren sein Können endlich auch in der Champions League zu zeigen. «Ich träume von einer Gruppe mit Real Madrid.»

Knüpft er international an die Leistungen in der Super League an, ist Gashi wohl der Nächste, den der FCB mit Gewinn ins Ausland verkaufen wird. «Ich bin noch nicht da angekommen, wo ich mich sehen möchte», sagte er kurz nach seiner Ankunft in Basel. Dort, wo er in Marco Streller den perfekten Lehrmeister gefunden hat.