Zivilisten flüchteten aus der Nähe des Rebellen-Hauptquartiers, nachdem die Gegend mit Granaten beschossen worden war. Die ukrainischen Regierungstruppen versuchten, gegen die Rebellen in Donezk weiter vorzurücken.

In der Stadt lebten vor dem Krieg fast eine Million Menschen. Am Dienstag schlossen wegen des Granatbeschusses viele Geschäfte. Kämpfer der Separatisten rasten mit Autos durch die Stadt.

Grossstädte ohne Wasser und Strom

Auch in der zweiten von Rebellen beherrschten Grossstadt Lugansk spitzt sich die Lage der Bevölkerung zu. Die Trinkwasserversorgung ist zusammengebrochen. Strom gibt es nur zeitweise.

Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es vor allem im Zentrum Zerstörungen, wo nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte weiter gekämpft wird. Die Armee habe einen Stadtteil erobert, teilte ein Sprecher mit.

Während die Regierungstruppen anfangs den Separatisten unterlegen waren, melden sie in jüngster Zeit Erfolge. Damit wird eine Feuerpause - wie sie etwa Russland fordert - unwahrscheinlicher.

Wegen des erbitterten Konfliktes mit bisher mehr als 2000 Toten gibt es zwischen den Regierungen in Kiew und Moskau grosse Spannungen. Während Russland immer wieder die Lage der Bevölkerung in der Ostukraine anprangert, wirft die ukrainische Führung dem Nachbarland vor, die Rebellen zu unterstützen.

Poroschenko trifft Putin

Eine entscheidende Wende einleiten könnte nächste Woche ein Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit seinem ukrainischen Amtskollegen Petro Poroschenko in Minsk. Beide Staatschefs nehmen am kommenden Dienstag an einem Gipfel der Zollunion in der weissrussischen Hauptstadt teil, wie der Kreml mitteilte.

Es wäre das erste Treffen zwischen Putin und Poroschenko seit Anfang Juni. Damals hatten sich die Staatschefs in der Normandie am Rande der Feiern zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg getroffen. Seither haben sich die Beziehungen der Nachbarländer extrem verschlechtert.

An der Begegnung nehmen auch EU-Vertreter wie die Aussenbeauftragte Catherine Ashton teil. Am Samstag reist die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erstmals seit Beginn des Konfliktes nach Kiew, um mit der Regierung Hilfsmöglichkeiten auszuloten.

17 Tote bei Beschuss von Flüchtlingsbussen

Unterdessen wird das Ausmass eines Granatangriffes auf eine Kolonne mit Flüchtlingsbussen am Montag deutlicher. Nach Angaben eines Armeesprechers sind bisher 17 Leichen geborgen worden. Sechs Personen würden im Spital behandelt.

Nach ukrainischer Darstellung sind die Separatisten für den Beschuss verantwortlich. Die Separatisten weisen die Vorwürfe zurück.

Die Europäische Union und die USA verurteilten die Attacke scharf. Der Vorfall müsse untersucht werden, teilte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel mit.

Hilfskonvoi weiter blockiert

Im Streit um einen russischen Hilfskonvoi für die Ostukraine warf der russische Aussenminister Sergej Lawrow der Regierung in Kiew eine Blockadehaltung vor. Es sei schwer nachvollziehbar, warum die etwa 280 Lastwagen aus Moskau seit Tagen an der Grenze festsitzen würden.

Lawrow sicherte dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, bei einem Telefonat erneut zu, dass Russland die Leitung des Konvois komplett der Hilfsorganisation überlasse.

Das Rote Kreuz warte weiter auf Sicherheitsgarantien der Ukraine, sagte Maurer demnach. Ohne diese werde das IKRK die rund 2000 Tonnen Hilfsgüter nicht durch das von Aufständischen beherrschte Gebiet in die Grossstadt Lugansk bringen.