Donald Trump gibt sich unbeirrt. Über die Weihnachtstage brachte der Präsident erneut scharfe Kritik an der Arbeit von Fed-Chef Jerome «Jay» Powell an. Die amerikanische Notenbank «erhöht die Zinsen zu schnell», sagte Trump. Die Federal Reserve sei damit indirekt für die Volatilität auf den Finanzmärkten verantwortlich. Zuvor hatte der Präsident auf dem Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben: «Das einzige Problem, das unsere Volkswirtschaft hat, ist die Fed.» Gleichzeitig behauptete der Präsident aber auch, er habe «vollstes Vertrauen» in die Arbeit von Powell und Finanzminister Steven Mnuchin.

Indirekt wies Trump damit die Gerüchte zurück, dass er wütend auf seinen alten Weggefährten Mnuchin sei, der ihm 2017 empfohlen hatte, die damalige Fed-Chefin Janet Yellen durch Jay Powell zu ersetzen. Mnuchin seinerseits hatte am vorigen Wochenende die Spekulationen, Trump wolle Powell entlassen, auf Twitter zurückgewiesen. Weil der Finanzminister aber gleichzeitig Gespräche mit den Konzernchefs der grössten amerikanischen Banken führte, um mit ihnen über die Liquidität auf den Finanzmärkten zu sprechen, sorgte der ehemalige Goldman-Sachs-Banker für Verwirrung unter den Börsianern.

Am Mittwoch allerdings entschieden sich dieselben Börsianer, den Ratschlag des Präsidenten zu befolgen und die «grossartige Gelegenheit» zum Kauf billiger Aktien zu nutzen. Der Leitindex an der New Yorker Börse – in Amerika ist der Stephanstag ein ganz gewöhnlicher Werktag – stieg während des gestrigen Handelstages stark an, bei anhaltend grosser Volatilität.

Gespräche nur in turbulenten Zeiten

Damit verfehlte auch der Ölzweig, den die Regierung Trump der Federal Reserve reichte, das gewünschte Ziel. Das «Wall Street Journal» berichtete in der Mittwochsausgabe, dass Finanzminister Mnuchin und Wirtschaftsberater Larry Kudlow derzeit abklärten, ob sich Trump mit Jay Powell zu einem Zwiegespräch treffen könnte – damit der Politiker und der Währungshüter die Gelegenheit erhielten, ihre unterschiedlichen Positionen darzulegen. Kudlow sagte dem «Wall Street Journal», dass eine solche Unterredung nicht ungewöhnlich wäre, in der Vergangenheit sei dies «regelmässig vorgekommen».

Diese Aussage entspricht allerdings nicht der ganzen Wahrheit. Zwar stimmt es, dass der Fed-Chef sich ab und zu mit dem Präsidenten trifft und im regelmässigen Kontakt mit dem jeweiligen Finanzminister steht. Ein Gespräch unter vier Augen zwischen dem obersten Notenbanker der USA, der formal politisch unabhängig ist, und dem Präsidenten findet aber gemeinhin nur in Zeiten ökonomischer Turbulenzen statt. So trafen sich etwa George W. Bush und Alan Greenspan im Nachgang zur Verwüstung, die der Hurrikan «Katrina» angerichtet hatte, zu einer Aussprache im Herbst 2005.

Fed-Beobachter weisen zudem darauf hin, dass Bush oder Obama nie eine öffentliche Kampagne gegen die Federal Reserve geführt haben. Der Ökonom Tim Duy, der an der University of Orgeon forscht, zeigt sich deshalb überzeugt davon, dass die Notenbank in der Amtszeit von Trump «grossen Schaden» nehmen werde. Denn der Präsident könne Powell nicht loswerden – ein Fed-Chef kann nur aus wichtigem Grund gefeuert werden. Andererseits werde nun jede Entscheidung, die das geldpolitische Gremium der Federal Reserve fälle, auf eine mögliche Einflussnahme Trumps hin untersucht.