Grosse Ereignisse werfen grosse Schatten voraus: Aus Anlass ihres 900-jährigen Bestehens gibt die Kirchgemeinde Lengnau-Freienwil eine vom Lokalhistoriker Franz Laube verfasste, 48 Seiten starke Festschrift heraus, in der die lange und wechselvolle Geschichte ausführlich dargelegt und dokumentiert wird. Breiten Raum nehmen die acht Gotteshäuser ein, die im Verlauf der letzten neun Jahrhunderte gebaut wurden. An der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom 30. September 1975 genehmigten die Stimmberechtigten einen Baukredit von 3,27 Millionen Franken sowie 146 000 Franken für ein neues Glockengeläut.

Nur zweieinhalb Monate später begannen die Abbrucharbeiten der alten Kirche. Chronist Franz Laube schildert in der Festschrift die Stimmung, die bei der Einweihung des neuen Kirchenzentrums am 28. August 1977 herrschte: «Die meisten Lengnauer waren sich einig, dass hier ein ganz gelungenes Werk entstanden war: mehrzwecktauglich, funktionell, modern, und doch das alte Dorfbild weitgehend bewahrend. Man hörte fast nur lobende Stimmen.»

1995 erfolgte eine Aussenrenovation von Kirche und Pfarrhaus für 305 000 Franken. 2007 wurde eine energetische Sanierung samt Einbau einer Holzpellet-Heizung anstelle der Ölheizung durchgeführt.

Über 100 Jahre alte Turmuhr

Eine besondere Geschichte steht hinter den Altären der alten Kirche sowie hinter der Turmuhr, die auch heute noch die Zeit anzeigt. Nachdem der Aufwand für Revisionen und Reparaturen für die alte Turmuhr immer grösser geworden war, beschloss die Kirchgemeinde Lengnau-Freienwil 1907, eine neue zu beschaffen. Geliefert wurde die Uhr von einem Uhrmacher in Baden. Kostenpunkt: 2150 Franken. Die Freienwiler protestierten gegen diese Anschaffung, konnten sich aber nicht durchsetzen. 1944 war die erste Generalrevision fällig, 1957 wurde mit dem Einbau des elektrischen Glockengeläuts auch der Aufzug der Uhr automatisiert – «eine grosse Erleichterung für die Sigristen», wie Chronist Franz Laube in der Festschrift bemerkt.

Beim Neubau der Kirche 1977 wurde auch in Betracht gezogen, die alte Kirchturmuhr durch eine neue zu ersetzen. Da sich der damalige Kirchenpflegepräsident Werner Richli für die Weiterverwendung der alten Uhr einsetzte, wurde sie renoviert und auf Funksteuerung umgerüstet. Das Zifferblatt der auch heute noch funktionstüchtigen Lengnauer Kirchenuhr weist einen Durchmesser von 2,80 Meter auf, der grosse Zeiger misst 1,77 Meter, der kleine 1,30 Meter. Die römischen Ziffern sind 40,5 Zentimeter hoch.

Mit dem Abbruch der alten Kirche bestand keine Verwendungsmöglichkeit mehr für die drei Altäre und die Kanzel. Mit Einwilligung des Denkmalschutzes wurden die Altäre für 17 000 Franken an den Kanton Uri verkauft. Heute stehen sie in der Kirche Attinghausen. Die kunsthistorisch wertvolle Kanzel mit den Holzstatuen auf der Aussenseite und auf dem Dach wurde im Untergeschoss der neuen Kirche eingelagert und befindet sich heute noch dort.