Für Mitinitiator Heinz Hartmann aus Uerkheim ein wehmütiger und befreiender Augenblick zugleich: «Ich habe das Projekt mit Herzblut begleitet und viel daraus gelernt.» Jetzt sei er erleichtert darüber, dass es mit der Vereinsauflösung eine klare Lösung gegeben habe.

Im Winter 1998 flatterte ein roter Flyer des Gemeinderates in alle Haushaltungen Uerkheims: Die Jugendlichen bereiteten Probleme im Dorf und machten viel kaputt. Man soll doch ein Auge auf sie haben. Für Familienvater Heinz Hartmann ein Signal. Stets hatte er ein offenes Ohr und ein offenes Haus für Jugendliche: «Wir haben viel Platz, Freunde unserer Kinder waren bei uns jederzeit willkommen.»

Wohnbaracke bei der Kirche

Zusammen mit Eltern, Behörden und Jugendlichen begann er, ein Konzept für einen Jugendraum auszuarbeiten. Um das Projekt nach aussen hin zu vertreten und um nötige Mittel zu beschaffen, wurde vor Weihnachten 1999 der Verein Jugendtreff Uerkental gegründet. «Die Jugendlichen waren Feuer und Flamme. Sie wollten beim Kirchgemeindehaus eine Wohnbaracke aufstellen», erinnert sich Hartmann.

Sie kreierten, planten, holten Bewilligungen ein. Doch die Mühlen mahlen langsam, und nach drei Jahren stand immer noch keine Baracke auf der Wiese. Die Jugendlichen gingen ihre eigenen Wege, es kam zu einem Generationenwechsel. Das Projekt bröckelte, Heinz Hartmann dicker Aktenstapel über den geplanten Jugendtreff setzte Staub an. Der Vereinsbeitrag für die Mitglieder wurde sistiert.

2000 beschloss der Vereinsvorstand, erst dann wieder aktiv zu werden, wenn Jugendliche mit Anregungen kommen würden. Nichts geschah. Wohl geisterte im letzten Jahr in den Köpfen einiger Jungen Ideen für einen Treff herum, das wars auch schon.

In diesem Juli löste sich der Verein auf, das Vereinsmögen wurde gemäss Einwohnerschlüssel und mit Auflagen auf Bottenwil, Uerkheim und Wiliberg verteilt: Das Geld muss in den Jahresrechnungen der Gemeinde klar deklariert werden und darf nur für Jugendprojekte verwendet werden. Falls in Zukunft ein Jugendprojekt unterstützt wird, müssen die letzten Vorstandsmitglieder des Vereins darüber informiert werden.

Begegnungsplatz in Bottenwil

Laut Heinz Hartmann treffen sich die Jugendlichen aus dem Tal zumindest im Sommer regelmässig an öffentlichen Plätzen. Durch die heutige Vernetzung und Mobilität, im Besonderen durch die Regionalisierung der Oberstufe, hätten sich die Jugendlichen vermehrt nach Zofingen orientiert. Dies sagt auch Gemeindeammann Heinz Gerber aus Bottenwil: «Das Freizeitangebot für die Schüler aus dem Uerkental hat sich erweitert.» Für die Jugendlichen aus Bottenwil biete sich dank den Vereinen ein breites Angebot an Aktivitäten. Ausserdem habe Bottenwil beim Gemeindehaus einen Begegnungsplatz. «Hier können sie sich treffen.»

Es sei wichtig, dass Jugendliche aus Eigeninitiative einen Jugendtreff auf die Beine stellten und sie mithilfe Erwachsener sich selbst organisierten, sagt Heinz Hartmann. «Damit lernen sie, Verantwortung zu übernehmen und sich zu strukturieren. In der heutigen Zeit etwas Schwieriges: «Jugendliche wollen sich nicht mehr binden.»

Turnvereine in Uerkheim

«Besteht das Interesse für einen Jugendtreff, bieten wir Hand», sagt Gemeindeammann Markus Gabriel aus Uerkheim. «Die Jugendlichen sind jedoch aktiv in den Turnvereinen. Seit es abends bessere Busverbindungen nach Zofingen gibt und die Oberstufenschüler nach Zofingen gehen, benutzen sie das Angebot im Städtchen.» In Wiliberg besteht laut Gemeindeammann Stephan Müller ebenfalls kein Bedürfnis für einen Jugendtreff. Die Jugendlichen seien in Schöftland oder in Vereinen in den umliegenden Dörfern anzutreffen. Gerne hätte sich Wiliberg vor Jahren am überregionalen Jugendprojekt beteiligt. Doch dies wurde nicht realisiert – die Kosten waren zu hoch.