Die Verkehrsdirektoren der Kantone Zürich und Aargau, Ernst Stocker und Stephan Attiger, haben in Dietikon ihre jeweiligen Vorlagen für das gemeinsame Projekt Limmattalbahn von Zürich Altstetten bis Spreitenbach-Killwangen vorgestellt. Sie kostet insgesamt 755 Millionen Franken. Die Aargauer Regierung beantragt dem Grossen Rat für den 3,3 Kilometer langen Aargauer Abschnitt der 13,4 Kilometer langen Bahn einen Investitionsbeitrag von 178 Millionen Franken. Die Vorlage geht jetzt bis 21. November in die Anhörung.

Attiger: Premiumland

Das Limmattal sei «Premiumland» im Wirtschaftsgrossraum Zürich, so Attiger. Bis 2030 erwartet man, dass die Einwohnerzahl dieser Boomregion um 17 Prozent auf 105 000 Personen anwächst, die Beschäftigtenzahl gar um 30 Prozent auf 65 000 zunehmen wird. Wer sich oft in dieser Region bewegt, kann in der Tat förmlich zusehen, wie neue Immobilien aus dem Boden schiessen. Laut Aargauer Regierung kam eine Analyse schon 2005 zum Schluss, dass das bestehende Verkehrssystem im Limmattal nicht in der Lage sei, einen grösseren Zuwachs an Einwohnern und Beschäftigten und den damit einhergehenden Mehrverkehr zu bewältigen. Attiger: «Die Kapazitätsgrenzen sind erreicht.»

Deshalb soll die Mehrbelastung vorab vom öffentlichen Verkehr aufgefangen werden – eben durch die Limmattalbahn, die laut Attiger möglichst viel über ein Eigentrassee geführt werden soll. Und die Schienen sollen dort durchführen, wo das Bedürfnis am grössten ist. Für Attiger ist klar, «dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt» und dass Killwangen und Spreitenbach profitieren. Die Bahn werde im Umfeld private Investitionen auslösen. Attiger: «Sie bringt einen langfristigen Nutzen und ist eine Investition für Generationen.»

So ist der Zeitplan bis 2022

Der Bund hat im letzten Jahr die Infrastrukturkonzession für die Limmattalbahn erteilt. Die Etappe zwischen Zürich Altstetten und Schlieren Geissweid soll Ende 2019 in Betrieb gehen. Die zweite Etappe bis Killwangen-Spreitenbach soll bis 2022 fertiggestellt werden.

Darlehen von 76,5 Millionen

Wie eingangs erwähnt, kostet die Bahn den Aargau 178 Millionen Franken. Vorgesehen ist ein Darlehen des Kantons an eine Finanzierungsgesellschaft Limmattalbahn, mit Amortisation und Abschreibung über 35 Jahre. Nach heutigem Stand ist ein Bundesbeitrag von knapp 59 Millionen Franken aus einem Agglomerationsprogramm zu erwarten. Unklar ist zwar noch, wo der Bund dieses Geld künftig holt. Attiger zeigte sich aber zuversichtlich, dass diese Mittel kommen, da die Limmattalbahn die Kriterien vollauf erfülle.

Zudem soll aus der Strassenkasse ein einmaliger Beitrag von 34 Millionen Franken kommen. Dies, so die Argumentation, weil diese Bahn einen wesentlichen Teil des künftigen Mehrverkehrs übernehmen werde und die einzige kurzfristig realisierbare Kapazitätssteigerung im Strassennetz darstelle. Abzüglich der Planungskosten erwartet der Kanton letztlich eine Darlehenshöhe von 76,5 Millionen Franken.

Später gar bis Baden und ...?

Eine Verlängerung der Limmattalbahn in den Raum Baden-Wettingen ist als langfristige Option (Zeithorizont nach 2030) im Richtplan bereits als Vororientierung enthalten. Stephan Attiger zeigte sich an der Medienorientierung überzeugt, «dass diese Bahn mittel-/langfristig bis Baden oder gar darüber hinaus geht».

Dass man jetzt bis Killwangen baue, könne auch eine Chance sein, mit einem Busvorlauf herauszufinden, wo eine ideale Linie durchgehen könnte. Angedacht ist eine Fortführung bis Neuenhof, von dort zum Sportzentrum Tägerhard in Wettingen und quer durch Wettingen Richtung Baden. Überlegungen für eine Weiterführung gehen laut Attiger Richtung Reusstal oder weiter der Limmat entlang bis Siggenthal und Würenlingen, wo ein Innovationspark hinkommen soll.