Herr Bühlmann, Sie sehen das revidierte Raumplanungsgesetz als Chance für die Wiederbelebung von Dorf- und Stadtkernen. Weshalb?

Lukas Bühlmann: Das revidierte Raumplanungsgesetz macht Schluss mit dem Bauen auf der grünen Wiese und lenkt die Siedlungsentwicklung nach innen. Davon betroffen sind auch die Ortskerne. In den letzten Jahren haben viele dieser Kerne stark an Attraktivität eingebüsst. Läden sind verschwunden, Gasthöfe haben geschlossen. Liegenschaften werden zum Teil nicht mehr oder nur ungenügend unterhalten. Das revidierte Gesetz lenkt den Blick zurück auf diese Orte und trägt zu deren Belebung bei, denn die räumlichen Ansprüche müssen im Siedlungsgebiet und können nicht ausserhalb befriedigt werden.

Was sind weitere Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Ortskerne lebendiger werden können?

Im Detailhandel findet ein Strukturwandel statt. Früher waren es die Einkaufscenter, die die Kundschaft aus den Zentren abgezogen haben. Heute sind es der Onlinehandel und Einkaufstourismus. Die Läden werden nicht mehr zurückkommen. Das Ortszentrum muss deshalb verkleinert und mit neuen Ladenformaten ergänzt werden. Dies kann beispielsweise ein Buchladen sein, der gleichzeitig ein Café ist. Zudem müssen Plätze und Strassenräume aufgewertet werden. Man soll sich wohlfühlen, stressfrei die Strasse überqueren und im Sommer draussen einen Kaffee oder ein Bier trinken können. Wichtig sind auch die Verkehrsverbindungen in den Ortskern; vor allem die Fuss- und Velowegnetze.

Aarau hat eine sehr belebte Innenstadt. Was macht die Stadt richtig, das andere falsch machen?

Aarau hat eine charmante historische Altstadt und dadurch einen Vorteil, den andere Orte nicht haben. Dies allein reicht jedoch nicht. Aarau hat es über Jahre verstanden, den öffentlichen Raum aufzuwerten. Strassen und Plätze verfügen über eine hohe Aufenthaltsqualität. Die Innenstadt ist weitgehend verkehrsfrei. Aarau profitiert auch von seiner Grösse und seiner Rolle als Kantonshauptort. Dies bringt Leute ins Zentrum, was andernorts weniger der Fall ist. In ländlichen Gemeinden ist oft auch die Verkehrssituation eine andere.

Wie realistisch schätzen Sie die Umsetzung der Forderungen ein, die der Aargauische Gewerbeverband stellt?

Der Gewerbeverband hat acht sehr unterschiedliche Forderungen und Empfehlungen aufgestellt und dies ist richtig so, denn für die Belebung von Ortszentren gibt es kein Patentrezept. Jeder Ort ist von seiner Grösse, Lage und Geschichte her anders. Es braucht daher auf die örtliche Situation angepasste Massnahmen. Sie zeigen auch auf, dass die Belebung von Ortszentren ein Teamwork ist. Neben dem Gemeinderat müssen auch die Gewerbetreibenden und Hauseigentümer ihren Beitrag leisten. Die Frage, wie realistisch die Forderungen sind, hängt auch davon ab, wie stark sich die einzelnen Akteure am Prozess beteiligen.