Halbzeit. Die Asylunterkunft im ehemaligen A3-Werkhof in Frick ist seit gut eineinhalb Jahren in Betrieb – und wird nochmals fast so lange geöffnet sein. Dann, im Frühling 2020, läuft die dreijährige Betriebsbewilligung aus.

Damit ist auch für die Kontaktgruppe Asyl, welche die Asylsuchenden ehrenamtlich betreut, Halbzeit. Rolf Schmid vom achtköpfigen Kernteam zieht eine positive Halbzeitbilanz. «Wir tragen mit unserem Engagement zur ruhigen Situation in der Gemeinde bei», ist er überzeugt. In Gemeinden, in denen sich kaum Freiwilligen um die Asylsuchenden kümmern, gebe es in der Regel mehr Probleme.

Auch die Zusammenarbeit mit der ORS Service AG, welche die Unterkunft im Auftrag des Kantons führt, verlaufe «sehr gut», so Schmid. Hier wirke sich positiv aus, dass die Ansprechpersonen kaum wechseln. «Das vereinfacht die Zusammenarbeit enorm.»

Etwas kritischer tönt es bei der Zusammenarbeit mit kantonalen Stellen. Der Kontakt zu den offiziellen Kontaktpersonen beim Kanton sei zwar gut, so Schmid. Schwieriger werde es, wenn Mitglieder der Kontaktgruppe für Asylsuchende Abklärungen treffen wollen. «Da macht man es uns nicht immer einfach und wir werden bisweilen etwas wenig wertschätzend behandelt», bemängelt Schmid. Er wünscht sich etwas mehr Goodwill, «zumal wir ja bei Abklärungen helfen, die unserer Ansicht nach Sache der kantonalen Stellen wären».

Insgesamt sind 30 bis 40 Freiwillige bei der Kontaktgruppe Asyl im Einsatz. Mit diesem «Personenstock» ist Schmid zufrieden, zumal er weiss: «Es gibt viele Sympathisanten, auf die wir im Bedarfsfall zählen können.» Dann etwa, wenn es darum geht, ein Startgeld für eine Turnierteilnahme oder neue Deutschbücher zu finanzieren. «Der Goodwill in der Bevölkerung ist gross», freut sich Schmid.

Beruhigend ist auch der finanzielle Grundstock, auf den die Kontaktgruppe dank dem Kanton zurückgreifen kann. 34 000 Franken sprach der Regierungsrat vor Jahresfrist aus dem Swisslos-Fonds für die dreijährige Projektphase. «Damit decken wir hauptsächlich die Mietkosten für die ganze Zeit ab.»

Mietkosten verursachen zum einen die Deutschkurse. Sie finden im alten Pfarrsaal statt und sind «gefragt», sagt Schmid. Derzeit bietet die Kontaktgruppe vier verschiedene Deutschkurse an. Sie finden einmal pro Woche statt und werden je von drei bis zehn Asylsuchenden besucht. «Die Sprache zu verstehen und zu sprechen, ist eminent wichtig.»

Uno-Spielen und kochen

Zum anderen verursacht der wöchentliche Treffpunkt Kosten. Dieser findet jeden Donnerstag von 17 bis 20 Uhr im Vereinslokal des Circolo ACLI statt und «läuft wirklich gut», freut sich Schmid. Zwischen 30 und 70 Personen nehmen jeweils daran teil. «Neben Asylsuchenden kommen auch einige Einwohner aus Frick», sagt Schmid und das entspreche auch einem wichtigen Ziel der Kontaktgruppe: «Begegnungen schaffen.» Gefragt sind an den Treffpunkt-Abenden neben Gesprächen vor allem Gesellschaftsspiele wie Uno oder «Brändi Dog». «Manchmal kochen wir auch zusammen.»

Als drittes Standbein hat sich das Sportprogramm etabliert. Jeweils am Samstag treffen sich Freiwillige und Asylsuchende in der Turnhalle 1958. Mal ist Fussball angesagt, mal Volleyball, mal eine dritte Sportart. «Wir haben auch schon zusammen einen Ausflug auf die Kunsteisbahn gemacht», so Schmid. Die Teilnehmerzahl hat sich inzwischen bei 10 bis 15 eingependelt. «Das ist eine gute Grösse», findet Schmid.

Die Kontaktgruppe Asyl sucht gezielt auch den Kontakt zur Fricker Bevölkerung. So betrieb die Gruppe zusammen mit Asylsuchenden am letzten Weihnachtsmarkt einen Stand, nahm mit einer Mannschaft am Auffahrts-Grümpelturnier teil, war am Kirchenjubiläum in Einsatz und half beim grossen Musikfest «Ohren auf!» in Laufenburg mit. Mit solchen Einsätzen könnten Begegnungen zwischen Einheimischen und Asylsuchenden geschaffen werden, die sonst kaum zustande kämen. «Das bringt beiden Seiten viel», ist Schmid überzeugt.

Er erachtet genau dies, Begegnungen zu ermöglichen, für einen zentralen Aspekt der Kontaktgruppe. So könnten Schwellen abgebaut werden, und das trage dazu bei, dass die Akzeptanz der Asylunterkunft und der Asylsuchenden in und um Frick gross sei. «Man hört fast nie etwas Negatives», freut sich Schmid. Das sei das beste Zeichen dafür, dass es rund laufe.

Bedürfnisse haben sich gewandelt

Eine Veränderung hat Schmid in letzter Zeit festgestellt: «Die Anforderungen und Bedürfnisse an unsere Angebote haben sich gewandelt, da immer mehr Menschen eine Aufenthaltsregelung erhalten.» Meistens erhalten die Asylsuchenden dabei einen F-Ausweis als vorläufig Aufgenommene, «was ihren ‹Schwebezustand› und die Unsicherheit leider auf mindestens fünf weitere Jahre verlängert», bedauert Schmid.

«Trotzdem versuchen wir die berufliche Integration mit Schnupperlehren, Praktika und Lehrstellen voranzutreiben.» Hier ist die Kontaktgruppe auf Hinweise und Angebote angewiesen, besonders aus der KMU-Landschaft. «Viele Geflüchtete haben zwar praktische Berufserfahrung, aber leider fehlen ihnen die entsprechenden Nachweise», sagt Schmid. Mit einer einwöchigen Schnupperlehre könnten «gewisse Vorurteile» meist schnell überwunden werden. «Wir konnten so bereits mehrere Ausbildungsplätze vermitteln», sagt Schmid.

Vorerst wird aber zuerst einmal tüchtig gefeiert – Weihnachten. Am Samstag, 22. Dezember, findet im Wälchligarten hinter dem Bahnhof ab 16 Uhr eine Weihnachtsfeier statt, zu der alle eingeladen sind. «Bei einer Kürbissuppe oder einem Glühwein am Feuer lernen wir uns kennen, tauschen uns aus oder singen vielleicht sogar das eine oder andere Lied», sagt Schmid. Eine Anmeldung ist «erwünscht, aber nicht nötig». Wer etwas für den Anlass spenden oder mitbringen möchte, kann sich mit Rolf Schmid (079 486 62 11) in Verbindung setzen.