Gut 600 Besucher füllten bei der 20. grenzüberschreitenden Begegnung den Bürgersaal, gaben sich füreinander aufgeschlossen, gesprächig und bewiesen Stehvermögen. Um Mitternacht herrschte noch reger Betrieb. OB Klaus Eberhardt und Stadtammann Franco Mazzi führten die Gäste mit einer positiven Grundstimmung in ihren Reden ins Jahr 2019, und der Musikverein Degerfelden unterstrich musikalisch-dynamisch Aufbruchstimmung.

Die politischen Vertreter von Region, Land/Kanton und Bund waren wie so oft stark vertreten und gefragte Gesprächspartner. Dazu zählten Bürgermeister der Nachbargemeinden, aber auch die Abgeordneten Armin Schuster (MdB, CDU) und Gerhard Zickenheiner (MdB, die Grünen) sowie Sabine Hartmann-Müller (MdL, CDU). Die Begrüssungsliste war mit Landrätin Marion Dammann aber noch lange nicht beendet. Ebenso warteten die Schweizer mit Repräsentanten auf, vorneweg Alex Hürzler von der Kantonsregierung Aargau und Christoph Brutschin vom Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt. Vertreter aus allen Lebensbereichen beider Städte, der Wirtschaft, aus dem Sozialen, der Kultur und Verwaltung gaben sich am Freitagabend ein Stelldichein. Eberhardt und Mazzi, die das Defilee am Eingang abnahmen, kamen aus dem Händeschütteln lange nicht heraus.

Rheinfelden verbindet

Der über Jahre gepflegte Slogan von «Rheinfelden verbindet», bestätigt sich weiterhin in der Praxis. Der Austausch über den Rhein gestaltete sich interessiert und gut nachbarschaftlich. In ihren Rück- und Ausblicken auf die städtische Entwicklung an beiden Ufern hoben die beiden Stadtoberhäupter klar darauf ab, dass sich qualitatives und quantitatives Wachstum in allen Bereichen vollzieht und die kommunalen Entwicklungen in einem günstigen Licht gesehen werden. Das gilt auch für Gemeinschaftsprojekte wie den Stadtbus Linie 7312. Ihn nannte Franco Mazzi mit Blick auf jährlich 325 000 Fahrgäste ein «Erfolgsmodell».

Das Thema Rheinsteg dominierte den Abend nicht. Selbstredend aber brachten Eberhardt und Mazzi das geplante Projekt zur Sprache. Nach wie vor gilt dieser Brückenschlag auf beiden Seiten des Rheins als erwünscht, es herrschte vorsichtiger Optimismus vor, dass ihn beide Rheinfelden trotz der unerwarteten Kostenexplosion realisieren. Mazzi zitierte dazu den Nationalökonomen Max Weber, nach dem Politik ein «starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmass» bedeute. Für seine Überzeugung, dass der Steg ein «hervorragendes Projekt» darstelle, das «die Fachwelt und viele Menschen beidseits des Rheins begeistert», und dass jetzt die Lage mit Augenmass zu klären und dann zu entscheiden sei, «ob es ein zu hartes Brett darstelle oder alle Involvierten nochmals stark bohren müssen», erntete er breiten Applaus im Saal.

Applaus unterbrach auch mehrfach Eberhardts Rede, als er etwa daran appellierte, Zusammenhalt und Solidarität zu pflegen und bei den Europawahlen Zeichen für ein gemeinsames Gestalten zu setzen mit politischen Kräften, die Demokratie im Sinne von Freiheit und Frieden pflegen. Inhalte und Darstellung der Ansprachen aus beiden Rheinfelden wurden von den Besuchern als gelungen bezeichnet, sodass es den meisten auch nicht so viel ausmachte, länger als geplant Sitzfleisch beweisen zu müssen. Zwischen den Worten gelang es dem Musikverein Degerfelden immer wieder, den Spannungsbogen hochzuhalten mit Titeln, die ungewohnte Hörerlebnisse verschafften. Gordon Hein trumpfte mit seinem modernen Blasorchester ordentlich auf, was die Gäste als unerwartet mutig und grossartig bewerteten.

Austausch im Gespräch

Im zweiten Teil des Abends herrschte dichtes Gedränge an den Stehtischen. Es gab grossen Gesprächsbedarf und einen Austausch auf allen Ebenen und ohne Berührungsängste. Mit Rot- und Weisswein der IG Weinbau Herten hat die gastgebende Verwaltung eine attraktive Alternative zum Bier geboten. Gewohnt zuverlässig agierten die Dinkelberger Landfrauen im Service, sodass der Empfang als gelungen in Erinnerung bleibt.