Der ausgeschaltete Pizzaofen führte in einem Restaurant zu einem handfesten Streit, in dessen Verlauf der Pizzaiolo (Pizzabäcker) dem Koch ein Messer in den Rücken rammte. Dafür wurde der Täter wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer bedingten zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt (Probezeit: 3 Jahre).

Beide hatten einen anstrengenden Arbeitstag in der Pizzeria hinter sich: Tarek, der 41-jährige Pizzaiolo, und Besim, der 32-jährige Koch (Namen geändert). Tarek hatte für seinen Chef, dessen Freundin und für sich eine Pizza gebacken, als die letzten Gäste gegangen waren. Während es sich die drei an einem Tisch gemütlich machten, schob auch Besim für sich und seine Frau eine Pizza in den Ofen und ging dann rasch in die Garderobe, um sich umzuziehen.

Zurück in der Gaststube, stellte der Koch fest, dass der elektrisch betriebene Pizzaofen inzwischen ausgeschaltet worden war. Besim schaute wutentbrannt in die Runde und fragte Tarek, ob er den Ofen ausgeschaltet habe. Der Pizzaiolo grinste und antwortete: «Ja, und jetzt?» Er fügte zudem an, dass es ihm, dem Koch, verboten werden müsste, die Pizzastation zu betreten und selber Pizzen zuzubereiten. Das war zu viel für den ohnehin schon gereizten Besim. Es kam zu einer verbalen und zunehmend lauter werdenden Auseinandersetzung. Es fielen Ausdrücke aus der untersten Schublade. Der Pizzaiolo stand auf und ging auf den Koch zu. Die beiden standen sich schliesslich beim Pizzaofen gegenüber. Während Tarek Besim am Kragen packte, verpasste ihm dieser einen Faustschlag gegen den Kopf.

Messer mit 11-Zentimeter-Klinge

Noch immer hielt Tarek in der rechten Hand das Pizzamesser, das er unbewusst vom Tisch mitgenommen hatte, wie er vor Gericht sagte. Es handelte sich um ein Messer der Marke «Lucullus», Modell «Razorcut» mit einer spitz zulaufenden Klinge von 11 Zentimeter Länge und einseitigem Wellenschliff. Der Pizzaiolo rammte dem Koch das Messer in den Rücken und schnitt ihm im Gerangel auch noch in die Finger der linken Hand.

Wie die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten in ihrer Anklage festhielt, hätte der Messerstich lebensgefährliche, ja tödliche Verletzungen verursachen können. Deshalb sei der Täter wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren, abzüglich der Untersuchungshaft von 48 Tagen, zu verurteilen.

Der Angeklagte erwähnte, dass er seit 25 Jahren in der Schweiz lebe und hier die Schule besucht habe. Sein Ziel sei die Eröffnung einer eigenen kleinen Pizzeria.

Während anderthalb Jahren arbeiteten Tarek und Besim zusammen in dem Lokal, wo es zur Messerstecherei gekommen ist. «Ich wollte ihn überhaupt nicht verletzen und schon gar nicht töten. Auch weiss ich nicht, weshalb ich das Messer in der Hand behielt und nicht auf dem Tisch liegen liess», sagte Tarek.

Das Bezirksgericht Bremgarten, unter dem Vorsitz von Lukas Trost, verurteilte den Angeklagten, wie erwähnt, wegen versuchter schwerer Körperverletzung und nicht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Vom Täter wird aber künftig ein korrektes Verhalten erwartet, «sonst ist der Traum von der eigenen Pizzeria ausgeträumt», betonte der Gerichtspräsident.