Den Jubiläumsgottesdienst am kommenden Sonntag, 24. August, verbindet die Kirchgemeinde mit dem Spatenstich für das neue Pfarrzentrum Rudolfstetten. Der alte, 1964 erstellte Pfarreisaal dient den heutigen Bedürfnissen nicht mehr und wird abgebrochen.

Der damalige Bau der Christkönig-Kirche kam einem Bruch mit einer Tradition gleich. Die Wendelinskapelle aus dem 18. Jahrhundert war baufällig geworden und musste wegen des Ausbaus der Bernstrasse, vor der Eröffnung der Autobahn zwischen Bern und Zürich die einzige direkte Überlandstrasse zwischen den beiden Städten, abgebrochen werden. Die neue Kirche sollte das neue Zeitalter in der katholischen Weltkirche einläuten. Denn in die Bauzeit 1962 bis 1964 fiel das II. Vatikanische Konzil, nach dem die Priester in der Kirche nicht mehr Latein sprachen, sondern endlich deutsch – eine Sprache, die jedermann verstand.

Bekannter Architekt engagiert

Wo baut man die neue Kirche? Diese Frage beschäftigte die Gemeinde Rudolfstetten lange. Die einen votierten für den Standort beim Friedhof, die anderen für einen solchen mitten im Dorf, in den Letten. Die Würfel fielen schliesslich zugunsten des Standortes im Dorf. Die Kirchgemeinde schrieb einen Architektenwettbewerb aus. Das Projekt von Hermann Baur aus Basel, einem der wichtigsten Kirchenarchitekten seiner Zeit, überzeugte die Jury. Baur baute in der Schweiz und im nahen Ausland 25 Kirchen, dazu in seiner Heimatstadt Basel das Bürgerspital oder die Pavillonschule Bruderholz.

An der ETH Zürich hatte Baur gute Vorbilder: Er hospitierte bei den berühmten Architekten Karl Moser, bekannt geworden fürs Kunsthaus in Zürich, und Hans Bernoulli, der sich mit der exemplarischen Reihenhaussiedlung, den Bernoulli-Häusern in Zürich, einen Namen machte.

Am 12. Mai 1963 segnete Bischof Franziskus von Streng nach dem ersten Spatenstich am Christkönigsfest 1962 auf dem Bauplatz den Grundstein ein. Grosszügige Beiträge der Kirchgemeinde und der Gläubigen ermöglichten den Kirchenbau, der 1,15 Millionen Franken kostete. Die Glockenweihe am 10. Mai 1964 war ein grosses Fest. Der ehemalige Gemeindeschreiber Paul Ackermann erinnert sich noch gut daran: «Es war ein herrlicher Maientag. Die fünf Glocken entstanden in der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau und wurden mit Ross und Wagen nach Rudolfstetten gefahren. Die Schuljugend zog die Glocken unter den Augen vieler Gläubigen in den Glockenstuhl.» Alle Glocken wurden gestiftet.

Stifter waren die Familie Alois Koller-Hufschmid (Christkönigs-Glocke), Rosa und Gottfried Kaiser (Marienglocke), Klara und Oswald Hüsser (Bruderklausenglocke), Familie Adolf Triebold, Friedlisberg (Wendelinsglocke) und Familie Eugen Brem, Lehrers (Schutzengelglocke). Domherr Otto Schnetzler vertrat an der Glockenweihe Bischof von Streng. P. Hürlimann, Pfarrer in Schöneck, hielt die Festansprache. Der Musikverein Harmonie Berikon, der Kirchenchor und der Männerchor Rudolfstetten umrahmten den festlichen Anlass.

Eine selbstständige Pfarrei

Am 23. August 1964 weihte Bischof von Streng die kühn und markant gestaltete Christkönig-Kirche Christus dem König und dem Heiligen Wendelin. Gleichzeitig wurde Rudolfstetten, das vorher zu Berikon gehörte, zur selbstständigen Pfarrei Rudolfstetten-Bergdietikon erhoben. Nur die Gläubigen vom Friedlisberg, oberhalb von Rudolfstetten, wollten bei Berikon bleiben. «Auf dem Friedlisberg brachte man das Argument vor, dass die Verwandten auf dem Friedhof von Berikon begraben seien. Deshalb sei es gescheiter, wenn man bei Berikon bleibe», sagt Gemeindeleiter Bruno Zeltner, der seit 31 Jahren in der Kirchgemeinde Rudolfstetten-Bergdietikon tätig ist.

«Die moderne Kirche gefällt mir noch heute sehr gut», erklärt Zeltner. Auch wenn sie einen Schönheitsfehler hat: Der Altar steht verkehrt, so wie er vor dem Konzil aufgestellt werden musste: nämlich so, dass der Pfarrer mit dem Rücken zu den Gläubigen steht. Das Konzil führte zur Reform, dass sich der Priester fortan seinen Gläubigen in die Gesichter sah. «Mich stört die fehlerhafte Stellung des Altars nicht weiter. Ich stehe am richtigen Ort», meint Zeltner.

1986 mussten an der Kirche Renovationen und Änderungen vorgenommen werden: Die Gipsdecke war schadhaft geworden. Stücke drohten sich daraus zu lösen. Deshalb brachte man die neue Holzdecke und eine neue Beleuchtung an. Ausserdem vertauschte man die moderne Christus-Plastik mit einem traditionellen Christuskreuz, das aus dem Südtirol beschafft worden war. Und schliesslich musste man den Turm renovieren. «Das Kreuz auf dem Turm war beschädigt», erinnert sich alt Gemeindeschreiber Paul Ackermann. «Man hat damals einiges verändert an der Kirche. Man machte Konzessionen.»