Mehr Laternen in den Wohler Nebenstrassen, eine übersichtlichere Fussgängersituation, Abfalleimer, bei denen das Trennen vor Ort möglich ist, eine Strohhutstatue, die an die Vergangenheit erinnert: So sieht das «ideale Wohlen» aus der Sicht von Jugendlichen in zehn Jahren aus. Diese Anliegen erarbeiteten 48 Acht- und Neuntklässler der drei Wohler Schulen am Freitagnachmittag der diesjährigen Jugendsession mit dem Thema «Wohlen what’s next? Gemeinsam in die Zukunft». Die Veranstaltung wurde im BBZ Freiamt durchgeführt und zum 13. Mal konnten die Jugendlichen ihre Anliegen dem Gemeinderat übergeben.

Unterstützt wurden sie dabei vom Jugendrat und der Jugendarbeit Wohlen. Am Folgetag bekamen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich mit politischen Entscheidungsträgern auszutauschen, ihnen ihre Verbesserungsvorschläge vorzustellen und beim «Speed debating» das Diskutieren zu üben. So kamen vier der fünf Gemeinderäte und fünf Mitglieder des Einwohnerrats an die Session.

«Es war ein sehr produktiver Tag», sagt Jugendarbeiter Gian Wiegner über den Freitag. Das ist zu spüren, denn neben den Optimierungsvorschlägen für das zukünftige Wohlen haben die Jugendlichen noch weitere Anliegen ausgearbeitet.

Verschiedene Anliegen diskutiert

Aus diesen geht etwas klar hervor: Sie wollen mitbestimmen, mitdiskutieren und besser informiert werden. So wünscht sich die Wohler Jugend zum Beispiel Inputs von neutralen jungen Erwachsenen, damit darauf basierend Diskussionen aktueller Themen in der Schule durchgeführt werden können. Oder ein «Kaffi mit Politikern» bei dem in einer ungezwungenen Umgebung Meinungen ausgetauscht werden können. Ausserdem wollen die Schüler eine App, damit sie Bescheid wissen, was in der lokalen Politik los ist und eine anonyme Plattform, auf der sie die Sozialkompetenz der Lehrer bewerten können.

Hört man sich im Saal um, kristallisiert sich heraus, dass die App und die Bewertungsplattform vielen Jugendlichen die wichtigsten Anliegen sind. «Die Lehrer sollen sich verbessern», sagt die 15-jährige Schülerin Senthaany Chandrabalan dazu. Ihre Schulkollegin Viktoria Wyss, ebenfalls 15-jährig, ist gleicher Meinung. «Ich finde es toll, dass wir die Möglichkeit bekommen, mitzureden», sagt Viktoria über die Jugendsession. Ihre Kollegin Senthaany ergänzt: «Es freut mich, dass wir hier teilnehmen können, in der Schule machen wir so etwas nicht.» Einmal im Jahr findet zwar der Staatskunde-Tag statt, den Jugendlichen ist aber ein Anliegen, dass dieser umgestaltet wird. Er soll mehrmals jährlich und schulübergreifend durchgeführt werden.

Beim «Speed debating» wird angeregt mitdiskutiert. Einige sind anfangs noch schüchtern, aber die Politiker und die Mitglieder des Jugendrats machen den Schülern Mut und bald ist der Raum von lebendigen Gesprächen erfüllt. «Ich finde es gut, dass du deine Meinung verteidigt hast, obwohl alle anderen dagegen waren», gibt Aline Maggi, Vizepräsidentin des Jugendrats, einem Schüler als Feedback.

Interesse kann geweckt werden

Die jungen Wohlerinnen und Wohler sind also keineswegs uninteressiert am politischen Geschehen in ihrer Gemeinde. Das bestätigt Lehrer Markus Wiederkehr. Die Schülerinnen und Schüler für Politik zu motivieren sei zwar schwierig, aber: «Hier merken sie, was Politik ist. Dafür kann man das Interesse der Schüler wecken.»

Der Präsident des Jugendrats, Lionel Zingg, bestätigt dies und freut sich über die gutbesuchte Jugendsession. Eine Kritik Richtung Gemeinde Wohlen hat er aber: «Es ist schade, dass nur fünf der vierzig Einwohnerräte anwesend waren. Sie wünschen sich mehr Interesse von den Jugendlichen, aber wenn es um die Sache geht, erscheinen sie nicht.»