Die zwei Dorfschreiber sind in vielem unterschiedlich: Ursina Mühlethaler, 16, quirlig, voller sprudelnder Ideen, angehende Buchhändlerin. Severin Obrist, 15, zurückhaltend, aber voller Schalk, Bezirksschüler. Er macht Aikido, geht in die Pfadi. Sie liest, musiziert, tanzt, ist Pfadfinderin. Etwas haben sie gemeinsam: Sie lieben den Suhrerkopf. Und als Schreiberlinge ergänzen sie sich wunderbar. Ursina schreibt, Severin betreut das Facebook und das «Tscheggsikon».

«Tscheggsikon»? Die zwei Jugendlichen haben ein Lexikon kreiert, in dem sie Wörter oder Brocken der heutigen Jugendsprache erklären (neben stehender Text). Das sei für alle Nichtjugendlichen empfehlenswert, sagen Ursina und Severin verschmitzt. In jeder Ausgabe der Dorfpublikation «SuhrPlus» veröffentlichen sie einige Häppchen Jugendsprache. Daneben porträtieren die Dorfschreiber junge Menschen aus dem Dorf. Genies, Talente, Künstler, Sportangefressene, Musikjunkies, Streber, Migranten.

In ihren Beiträgen wollen die Dorfschreiber die Vielseitigkeit, die in Suhr herrscht, aufzeigen. Die einzige Vorgabe, die Ursina und Severin von der für den Dorfschreiber verantwortlichen Kultur- und Bibliothekskommission erhalten haben: Die Interviewpartner sind zwischen 11 und 17 Jahre alt.

Spontane Lebensweise

Zum Amt des Dorfschreibers kamen Ursina und Severin beinahe wie die Jungfrau zum Kind. Die Schule startete eine Anfrage, ob jemand für ein Jahr lang gerne Suhrer Menschen beschreiben würde. Zum Schluss blieben sie als Einzige, da sagten sie zu. «Machen wir mal, schaden kanns nicht», dachte sich Severin, als er schliesslich dem Amt als Dorfschreiber zustimmte. So wie er es stets handhabe in seinem Leben: Lieber machen als gross studieren. Er lebe gerne spontan in den Tag hinein. Welchen Beruf er gerne erlernen möchte? «Informatiker», sagt er und seine Augen leuchten.

Ursina lebt in Gränichen, besuchte aber die Bez in Suhr. Sie schreibt fürs Leben gerne. «Ich schreibe, also bin ich», heisst ihr Lebensmotto. Immer und überall kritzelt sie ihre Gedanken in ihr Notizbuch. Sie habe schon viele Bücher angefangen zu schreiben, und als Schülerin habe sie selbst geschriebene Gedichte in die Bäume gehängt.
Ihre Interviewpartner haben sich Ursina und Severin gemeinsam ausgesucht. «Wir kennen viele Jugendliche in Suhr und sind durch Zufall auf interessante Menschen gestossen.»

Bis im Frühjahr 2014 werden sie einmal pro Monat ein Porträt veröffentlichen. Zwei sind bereits erschienen. Im ersten Beitrag erzählt die junge Flavia Bindschedler von ihrem Traum als Musical-Solosängerin. «Ein Leben zwischen Dur und Moll» handelt von Sophie Holma, die mit ihren 15 Jahren auf dem besten Weg zur berühmten Pianistin ist. Auf Facebook postet Severin Bonusmaterial wie Fotos, Videos oder Audiofiles und betreut einen Blog. Zum Schluss ihrer Amtszeit haben die zwei Dorfschreiber etwas besonders vor, sie wollen mit allen Porträtierten einen Anlass auf die Beine stellen.

Schriftsteller hilft beim Schreiben

Beim Schreiben und Verarbeiten ihrer Texte sind Ursina und Severin frei. Anregungen erhalten sie vom ersten Dorfschreiber und Schriftsteller Andreas Neeser – er lebt mittlerweile in Suhr. Seine Kritik sei stets wohlgemeint, sagt Ursina und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Er bremst mich, wenn ich mit meinen Texten wieder einmal überborde und kurz vor der Klippe stehe.»